Donnerstag, 25. Mai 2017

Blickfang Ultrà, 41


Rezension


Blickfang Ultrà
Nr. 41
2017
130 S.







Interessant sind im Heft ein übersetzter Buchauszug über die Ultramarines Bordeaux aus dem Jahr 1990 (!) und wieder schöne Winter-Reiseberichte aus Italien, die einen selbst erneut bedauern lassen, dass sich heuer nichts Größeres ausgegangen ist.
Im zweiten Teil des in seinem Umfang und seiner Tiefe doch recht stolzen Interviews mit den Ultras Dynamo von Dynamo Dresden geht es um diverse Entwicklungen der letzten Jahre, andere Szenen, das neue Stadion, das Verhältnis zum Verein etc.
Einen ganz besonderen Einblick bietet die Präsentation der Sturmhauben-Sammlung von Josef Gruber (Unterwegs Fanzine).

Zum Buch Fanszene Polen von BFU-Chefredakteur Mirko Otto wird ein Interview mit ihm abgedruckt. „Während der deutsche Hopper traurig ist, weil nur einhundert stillschweigende Leute von GKS Tychy nach Zielona Góra gefahren sind, sieht der Pole das mit ganz anderen Augen, weil die unterwegs von Zagłębie Lubin überfallen wurden und es eine mehrminütige Schlacht gab. Und allein das zählt.“ erklärt er hier u.a. fankulturelle Unterschiede. Das Buch wird zu einem späteren Zeitpunkt hier noch rezensiert werden.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Tornados spezial, 39



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 39
94 S.








„Společně − bojovat − zvítězit“ prangt am Titelblatt, Dionys Schöneckers Rapid-Leitspruch „gemeinsam − kämpfen − siegen“ auf tschechisch. Seit einiger Zeit glänzt das Heft der Tornados Rapid mit umfangreich recherchierten Artikeln zu teils bisher sehr wenig bekannten und beleuchteten Kapiteln der Rapid-Geschichte. Die Aufarbeitung der verschiedenen Sportsektionen, die es früher gab, in Ausgabe 36 ist hier u.a. in sehr guter Erinnerung. Diesmal wird das Thema „Böhmen, Mähren und Rapid“ bzw. kurz die „Behm bei Rapid“ behandelt. Viele Tschechen haben bei Rapid ihre Spuren hinterlassen und einige der besten und beliebtesten Rapidspieler waren Tschechen. Es waren Wiener Tschechen wie Pepi Bican in den 1930er und Walter Zeman in den 1950er Jahren (mit aus wirtschaftlichen Gründen hierhergekommenen bis zu 300.000 tschechischen Einwohnerinnen und Einwohnern war Wien vor hundert Jahren nach Prag die zweitgrößte tschechische Stadt) sowie Legionäre aus Böhmen wie Antonín Panenka in den 1980er Jahren oder aus Mähren wie René Wagner 1996 bis 2004. Hier erfährt man dazu einiges Fundiertes und Wissenswertes über die tschechische Geschichte Wiens und Rapids.

Ein weiterer spannender historischer Beitrag beschäftigt sich mit dem Rapidwappen im Wandel der Zeit und den doch recht vielen Veränderungen, die es hier gab. Man merkt bei diesen Artikeln, wie hier einiges an Wissen zusammengetragen, gelesen und mit kundigen Leuten geredet wurde, um so gute Texte hervorzubringen. Das erfreut einen beim Lesen jeder Zeile, jedes Absatzes und jeder Seite.

Der Standardteil ist der Rückblick auf die Rapid-Spiele des Herbsts 2016 in Meisterschaft, Cup und Europacup inklusive dem Weststadion-Eröffnungsspiel. „Wieder einmal bestätigten wir unseren Ruf als Schlechtwetterkurve.“ heißt es etwa zum Spiel in Altach im Juli 2016, bei dem in der zweiten Halbzeit ein Wolkenbruch niederging und den Auswärtsblock waschelnass machte. „Ohne Aufforderung der Vorsänger zog sich der Großteil des Blocks automatisch das T-Shirt aus und die Party konnte starten. Lautstark und von Fackeln unterstützt sangen wir uns plötzlich in einen Rausch.“ Dazu gibt es wieder diverse Berichte aus dem Gruppenleben und dem Block West sowie von Ferencváros und den hier erstmals präsentierten neuen Freunden aus Parma.

Das Papier wurde verändert und ist jetzt nicht mehr glänzend sondern griffiger, was dem langen Lesen vom Gefühl her etwas entgegenkommt.

Dienstag, 23. Mai 2017

Ballesterer 122



Rezension


Ballesterer
Nr. 122, Juni 2017
84 S.







„Was sollen wir denn eurer Meinung nach tun? Stillsitzen und auf den Tod warten?“ In einer beeindruckend recherchierten Reportage berichtet Clemens Zavarsky vom Fußball in den seit Jahren von Krieg, Terror und Tod geprägten Ländern Irak und Syrien. Der irakische Sportjournalist Hassanin Mubarak beantwortet die Frage nach dem Fußball in so einer Situation wie eingangs zitiert offenbar recht harsch, aber er hat damit wohl recht. Zavarsky erzählt von Megalomanie (ein kaum genutztes Neubaustadion für 550 Mio. Dollar in Basra), Problemen der irakischen Liga und IS-Bombenanschlägen in Fußballstadien mit vielen Toten. Man erfährt von der islamistischen Ambivalenz gegenüber dem Fußball zwischen Unterdrückung − Ermordung von Jugendlichen, die sich Fußball im Fernsehen angeschaut haben − und Nutzung seiner Attraktivität für eigene Zwecke. Der Profibetrieb im Bürgerkriegsland Syrien wird als Propaganda-Farce der Assad-Diktatur eingeschätzt, „ehemalige Erstligaspieler wie Iyad Quaider und Louay al-Omar wurden in Gefangenschaft zu Tode gefoltert, wie aus dem Gefängnis geschmuggelte und im Internet veröffentlichte Fotos beweisen sollen. Die Stadien in Latakia, Dera und Banyias wurden zeitweise zu Gefangenenlagern umfunktioniert, das Abbayiyyin-Stadion in Damaskus zu einer Militärbasis.“ Politische Stellungnahmen von Fußballern sind in solcher Gemengelage brisant. Zusätzlich zur Reportage gibt es zum Thema noch ein Interview mit einem vormaligen irakischen Nationalteamspieler, der seit 2016 mit Familie in Wien lebt, sowie einen Bericht zur Lage in Afghanistan.

Paul Gascoigne wird zu seinem 50. Geburtstag von Nicole Selmer mit einer schönen Hommage gewürdigt. Taktikanalytiker Emanuel van den Nest gibt Hinweise zum Scheitern Damir Canadis bei Rapid. Weitere Artikel behandeln den trotz Offenheit undurchschaubaren Ostliga-Aufsteiger Karabakh oder das kommende Kunstprojekt, das freiheitliche Steuergeld-Millionengrab Wörthersee-Stadion erstmals zu etwas Sinnvollem zu nutzen und darin einen Wald zu pflanzen.

Die 1807 zwar nicht als Fußballstadion errichtete, aber heute dazu genutzte Mailänder Arena Civica darf ich im Heft vorstellen. In meiner Amateurfußballplatz-Serie Nebenschauplätze ist diesmal das Vorarlberger Bürs an der Reihe.

Sonntag, 21. Mai 2017

Rapid - Sturm Graz 1:0 (1:0)

Bundesliga, 34. Runde, 21.5.2017
Weststadion, 23.300

Klassenerhalt geschafft. Das Bangen hat ein Ende. Rapid begann das Spiel gut und ging durch einen Schuss von Szántó nach einer Viertelstunde in Führung. Sturm Graz hatte auch Torschüsse, traf aber nicht. In der zweiten Halbzeit verfehlten Rapidler das Tor und ein vermeintlicher Sturm-Treffer wurde wegen Fouls abgepfiffen. Da es letztendlich um Tore geht, gewann Rapid das Spiel.
Mit Kvilitaia, Schaub und Szántó mussten leider wieder wichtige Spieler verletzt vom Feld. Steffen Hofmann wurde nicht eingewechselt.
Im Block West gab es zu Beginn eine Ultras-Choreographie zur Zeile der alten Rapidhymne „... solange noch ein Tropfen Blut durch unsre Adern zieht ...“
Unter anderen sportlichen Voraussetzungen waren diesmal nicht derart viele Sturm-Fans in Hütteldorf wie im Herbst, aber doch eine stattliche Anzahl.

Samstag, 20. Mai 2017

Rotation Prenzlauer Berg Ü32 - SFC Friedrichshain Ü32 5:3 (2:1)

Deutschland, Berlin, Senioren Ü32 Bezirksliga Staffel 1, 20. Spieltag, 20.5.2017
Tesch-Sportplatz, ca. 10

Ein torreiches Samstagnachmittagsspiel lieferten sich die jungen Senioren-Mannschaften der Sportgemeinschaft Rotation Prenzlauer Berg und des Sport- und Freizeitclubs Friedrichshain.
Die SG Rotation Prenzlauer Berg wurde in der DDR 1950 als Betriebssportgemeinschaft BSG Rotation Prenzlauer Berg der Druckerei Neues Deutschland gegründet. Der Name Rotation steht für die Drucktechnik auf großen Papierrollen. Nach dem Ende der DDR wurde daraus 1991 die SG Rotation Prenzlauer Berg.
Der Tesch-Sportplatz wurde 1952/53 angelegt. 1965 wurde die Anlage nach Frieda und Franz Tesch benannt, die 1919 den Sportverein Roland gegründet hatten und sich nach 1945 im Wiederaufbau des Sportbetriebs im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg engagiert hatten. Zwischen den Feuermauern der umliegenden Hauswände finden der Kunstrasenplatz und zwei Klubhäuser der beiden hier aktiven Fußballvereine Platz.